Menu

Sonderausstellung
VON KIRCHNER BIS BASELITZ
EIN JAHRHUNDERTERBE:
DIE SAMMLUNG HANS KINKEL
IM GERMANISCHEN
NATIONALMUSEUM
11.5.–10.9. 2017

Tag Cloud

Anything in here will be replaced on browsers that support the canvas element

Hans Kinkel

Ein Jahrhunderterbe

Der 2015 verstorbene Kunstschriftsteller und Photograph Hans Kinkel war nicht nur ein aufmerksamer Beobachter der deutschen Kunstszene des 20. Jahrhunderts, sondern auch ein bedeutender Sammler. Seine exquisite Sammlung von fast 400 Handzeichnungen, die er der Graphischen Sammlung des Germanischen Nationalmuseums als Vermächtnis hinterließ, schlägt einen weiten Bogen über die deutsche Zeichenkunst des 20. Jahrhunderts – von Kirchner bis Baselitz. Mit einer Auswahl von 100 Blättern gibt die Ausstellung einen ersten Überblick über das Vermächtnis.

Sie beginnt mit Zeichnern der älteren Generation wie Max Klinger, Lovis Corinth und Käthe Kollwitz, sowie Beispielen der expressionistischen Zeichnung von Ernst-Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff. Den Schwerpunkt und die größte Sammlungsdichte bilden jedoch die Zeichner der 1920er Jahre in ihren verschiedensten Facetten: Sowohl der aggressive Verismus von George Grosz als auch der kritische Realismus von Karl Hubbuch, Rudolf Schlichter oder Jeanne Mammen ist hier vertreten.

Käthe Kollwitz, Mutter und toter Sohn, 1903

Käthe Kollwitz, Mutter und toter Sohn, 1903

Die ergreifende Darstellung entstand als Vorzeichnung zu einer verworfenen Radierung zur Folge „Bauernkrieg“. Sie thematisiert die erste revolutionäre Massenerhebung auf deutschem Boden von 1524 bis 1526. Am Ende des Zyklus steht der Zusammenbruch des Aufstandes und in diesem Kontext das Motiv der den toten Sohn beweinenden Mutter. Das Gesicht der Mutter, die ihren während des Aufstandes gefallenen Sohn beweint, zeigt die Züge der Künstlerin. Kollwitz selbst verlor 1914 in der Ersten Flandernschlacht ihren Sohn.

Karl Schmidt-Rottluff, Baumgruppe am Wasser, 1911

Karl Schmidt-Rottluff, Baumgruppe am Wasser, 1911

Von 1907 bis 1912 quartierte sich Karl Schmidt-Rottluff – Mitglied der Künstlergemeinschaft „Brücke“ – von Frühjahr bis Herbst in Dangast am Jadebusen ein. Hier suchte er die Einheit mit der elementaren Natur als Gegenentwurf zu einem zerrissenen Dasein in der städtischen Zivilisation. 1911 zeichnete er die Baumgruppe einer Insel im Park der Sommerresidenz des Großherzogs von Oldenburg in Rastede, unweit von Dangast. Der Maler vereinfachte das Motiv fast bis zur Gegenstandslosigkeit.

© VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Ernst Ludwig Kirchner, Kopf Erna mit Stirnreif, 1912

Ernst Ludwig Kirchner, Kopf Erna mit Stirnreif, 1912

Die Künstlergemeinschaft „Die Brücke“ lehnte die Arbeit mit professionellen Modellen ab. In Berlin fand Ernst Ludwig Kirchner seine Modelle im Milieu der Varietétheater und Nachtlokale. Die Zeichnung zeigt die Tänzerin Erna Schilling im Bühnenkostüm mit Stirnreif. Der Künstler hatte sie 1912 in einem Tingeltangel-Lokal kennengelernt. Sein Ziel war nicht das naturgetreue Porträt der jungen Frau, sondern die Wiedergabe ihrer seelisch-psychischen Verfassung: Erna – die Lebensgefährtin Kirchners bis zu seinem Freitod 1938 – war bekannt für ihren melancholischen Charakter.

George Grosz, Porträt Max Herrmann-Neisse, 1926

George Grosz, Porträt Max Herrmann-Neisse, 1926

Der Schriftsteller Max Herrmann (1886–1941) führte seinen Geburtsort – das oberschlesische Neisse – im Namen. Mit seiner charakteristischen Erscheinung und Physiognomie prägte er das Bild des Intellektuellen in der Weimarer Republik. George Grosz porträtierte seinen Freund in mehreren Bildern in der Art des distanzierten, analytischen Beobachters. Dabei schuf er exemplarische Bildnisse der Neuen Sachlichkeit. Gemeinsam mit seiner Frau Leni floh Max Herrmann 1933 nach England. Der Dichter verstarb 1941 im Londoner Exil.

© Estate of George Grosz, Princeton, N.J./ VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Karl Hubbuch, Das Wahrzeichen, 1926

Karl Hubbuch, Das Wahrzeichen, 1926

1926 unternahm Karl Hubbuch seine erste Reise nach Paris und Nordfrankreich. In der französischen Metropole zeichnete er den 1889 errichteten Eiffelturm in ungewohnter Perspektive. Wegen der kühnen Eisenkonstruktion wurde das Bauwerk zwar als technische Meisterleistung gewürdigt, blieb jedoch in seinem städtebaulichen Umfeld zunächst ein umstrittener Fremdkörper. Durch die Distanz zur Randbebauung im Hintergrund und das kleine Flugzeug am Himmel vermittelt die Zeichnung ein Gefühl für die Dimensionen des Pariser Wahrzeichens.

Emil Schumacher, Ohne Titel, 1962

Emil Schumacher, Ohne Titel, 1962

Für Emil Schumacher bedeutete das Kriegsende einen künstlerischen Neubeginn. Zunächst noch an expressionistischen Vorbildern orientiert, wagte er in den 1950er Jahren den Schritt in die Abstraktion. Der Künstler gilt als einer der Hauptvertreter des Informel in Deutschland: Um „Formlosigkeit“ bemüht, hat er einen mit Kunststoff kaschierten Karton mit einer Grundierung in vielen Grautönen überzogen. Mit Pinsel und Feder gestaltete schwarze und ungeregelte Lineamente beleben die silbern schimmernde Fläche.

© VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Georg Baselitz, Großer Kopf, 1966

Georg Baselitz, Großer Kopf, 1966

Auf den ersten Blick erscheint das Blatt von Georg Baselitz als eine stimmige Darstellung eines „großen Kopfes“. Ein Kreidestrich oberhalb der Bildmitte zerschneidet das Bild in zwei Streifen. Sowohl die Farbigkeit als auch die anatomischen Details der zwei Teile, die offensichtlich gegeneinander arbeiten, zerstören das Sujet vor den Augen des Betrachters. Derartige Frakturbilder stehen unmittelbar vor der berühmten Motivumkehr, mit der Baselitz herkömmliche Motive radikal verneinte.

© Georg Baselitz 2017

Ihr Besuch

 

Besuch planen
Wichtige Informationen

  

Tickets kaufen
Online-Shop

 

Katalog bestellen
Bestellservice

  

Aus dem Programm

Veranstaltungstipps

Das abwechslungsreiche Programm rund um die Ausstellung sollten Sie nicht verpassen.

 

 > Mehr zum Veranstaltungsprogramm

 

Exklusiver Ausstellungsbesuch

Mit Freunden, im Verein oder im Kollegenkreis: Wir beraten Sie gerne für ein Event inner- und außerhalb der Öffnungszeiten  des Museums.

 

Kontakt

 

Galerie

Download

Hier können Sie sich den Folder zur Sonderausstellung 

Von Kirchner bis Baselitz

herunterladen!